Affekt

Ein intensiver, kurzzeitiger emotionaler Zustand, der als Reaktion auf eine extreme Situation entsteht.

Affekt ist ein intensiver und kurzfristiger emotionaler Zustand, in dem eine Person vorübergehend die Kontrolle über ihr Verhalten und ihre Gedanken verliert. Er entsteht meist als Reaktion auf starken Stress, Angst, Wut, Schmerz oder ein unerwartetes Ereignis, das den gewohnten Rahmen sprengt.

Während eines affektiven Zustands erreicht die emotionale Spannung ihren Höhepunkt: Adrenalin wird ausgeschüttet, der Puls steigt, die Aufmerksamkeit verengt sich, und das rationale Denken wird vorübergehend geschwächt. In diesem Zustand kann eine Person impulsiv handeln, ohne sich der Konsequenzen ihres Verhaltens vollständig bewusst zu sein.

Wie sich ein Affekt äußert

Ein Affekt kann sich auf verschiedene Weise zeigen – durch Schreien, Weinen, körperliche Aktivität oder völliges Erstarren. Nach dem Abklingen dieses Zustands fühlen sich Betroffene oft erschöpft, schämen sich oder sind verwirrt und erinnern sich nur vage an die Details des Geschehens. Dies liegt daran, dass während des emotionalen Höhepunkts die Großhirnrinde, die für Kontrolle und Analyse zuständig ist, gewissermaßen „abschaltet“.

Physiologie und Psychologie des Affekts

Physiologisch betrachtet ist der Affekt eine Schutzreaktion des Nervensystems, die auf eine sofortige Antwort auf eine Bedrohung abzielt. Aus psychologischer Sicht zeigt er die Grenzen der emotionalen Belastbarkeit eines Menschen. Personen, die unter chronischem Stress leiden oder Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle auszudrücken, neigen häufiger zu plötzlichen affektiven Ausbrüchen.

Beispiel: Ein Elternteil, der sieht, wie sein Kind plötzlich auf die Straße läuft, kann im Zustand des Affekts heftig reagieren und laut schreien. Diese Reaktion entspringt nicht Wut, sondern Angst und Schock. Später kann die Person ihr Verhalten bereuen, handelte jedoch im Moment der Gefahr instinktiv.

In der forensischen Psychologie wird der Begriff „Affekt“ verwendet, um einen Zustand zu beschreiben, in dem eine Person unter dem Einfluss starker Emotionen handelt und dabei vorübergehend die Fähigkeit zur kritischen Bewertung verliert. Dieser Zustand kann unter bestimmten Umständen als mildernder Faktor gelten, jedoch nur, wenn er durch ein Gutachten bestätigt wird.

„Affekt ist der Moment, in dem Emotionen die Vernunft übermannen. Es geht nicht darum, Gefühle zu vermeiden, sondern zu erkennen, wann sie beginnen, uns zu beherrschen.“ — Karen Horney

Warum das wichtig ist: Das Verständnis der Natur des Affekts hilft, die eigenen emotionalen Grenzen zu erkennen und Selbstregulation zu entwickeln. Die Fähigkeit, innezuhalten, zu reflektieren und die eigene Reaktion bewusst wahrzunehmen, verringert das Risiko impulsiver Entscheidungen und stärkt die emotionale Gesundheit.

Synonyme emotionaler Ausbruch, starke Erregung, affektiver Zustand