Perfektionismus

Das Streben nach Ideal und die Erwartung von Fehlerlosigkeit in eigenen Handlungen und Ergebnissen

Perfektionismus bezeichnet das Streben nach einem idealen Ergebnis, verbunden mit hohen Ansprüchen an sich selbst und andere sowie einer ausgeprägten Empfindlichkeit gegenüber Fehlern und Misserfolgen. Er kann eine Quelle der Motivation und Entwicklung sein, aber ebenso zu Stress, Angst und Unzufriedenheit führen.

In der Psychologie wird Perfektionismus als Persönlichkeitsmerkmal verstanden, das durch Erziehung, gesellschaftliche Erwartungen und innere Überzeugungen geprägt wird. Er zeigt sich in ständigem Vergleich mit anderen, im Drang nach Makellosigkeit und in der Angst vor Kritik.

Arten des Perfektionismus

Psycholog:innen unterscheiden mehrere Formen:

  • Gesunder Perfektionismus – das Streben nach hoher Qualität der Arbeit bei gleichzeitiger Flexibilität und Selbstachtung.
  • Ungesunder Perfektionismus – ständige Unzufriedenheit mit Ergebnissen, Angst vor Fehlern und das Gefühl, „nie gut genug“ zu sein.
  • Sozial auferlegter Perfektionismus – die Überzeugung, dass andere nur makelloses Verhalten und perfekte Leistungen erwarten.

Wie sich Perfektionismus äußert

Typische Anzeichen sind:

  • übermäßige Aufmerksamkeit für Details;
  • Aufschieben von Aufgaben aus Angst vor Fehlern;
  • ständige Selbstkritik und Vergleich mit anderen;
  • Schwierigkeiten, Lob und Erfolge anzunehmen;
  • Gefühle von Erschöpfung und Burnout.

Beispiel: Julia bereitete eine Präsentation für die Arbeit vor und verbrachte dafür dreimal so viel Zeit wie ihre Kolleg:innen. Sie korrigierte unaufhörlich Schriftarten, Farben und Formulierungen, obwohl das Ergebnis längst hochwertig war. Am Ende fühlte sie sich erschöpft und enttäuscht – trotz positiver Rückmeldung ihrer Vorgesetzten.

Warum es wichtig ist, Perfektionismus zu verstehen

Das Bewusstsein dafür, wie Perfektionismus das Leben beeinflusst, hilft, inneren Druck zu verringern und eine gesündere Haltung zu sich selbst und den eigenen Leistungen zu entwickeln. Wer lernt, realistische Ziele zu setzen und Fehler als Teil des Lernprozesses zu akzeptieren, kann das Gleichgewicht zwischen Erfolgsstreben und innerer Ruhe bewahren.

„Perfektion ist nicht erreichbar. Aber wenn wir nach Perfektion streben, können wir Exzellenz erreichen.“ – Vince Lombardi

Kernaussage: Das Verständnis der Natur des Perfektionismus unterstützt dabei, harmonische Beziehungen zu sich selbst und anderen aufzubauen, Stress zu reduzieren und Freude im Prozess – nicht nur im Ergebnis – zu finden.

Synonyme Streben nach Vollkommenheit, Idealismus, hohe Ansprüche